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Hertha Glück - Geschichtenerzählerin, Wanderführerin, Schreiberin

  • Die alte Tradition, zu erzählen, ohne Buch in der Hand, also vom Mund zum Ohr und bis ins Herz gehört zum „Immateriellen Kulturerbe“ weltweit und wird von der UNESCO dokumentiert und geschützt. Hertha, du lebst und liebst diese Kunst des Geschichten-Erzählens und es ist einfach ein großartiges Erlebnis deinen unvergesslichen Erzählungen zuzuhören. Wie bist du denn auf diesen besonderen Weg gekommen, dies hauptberuflich zu machen?

In meinen frühen Jahren meines Lebens habe ich viel Theater gespielt: Biedermeier und die Brandstifter, Der Besuch der alten Dame, Die Zwei von Dario Fo und so weiter. Allerdings neben meinem Hauptberuf als Lehrerin für die Hauptschule. So konnte es vorkommen, dass ich in die Schule kam und der Direktor meinte, in der fünfte Stunde ist der Mathekollege ausgefallen, könntest du bitte unterrichten. Naja, Mathematik ist immer noch nicht mein Ding. So habe ich ihnen vom Theaterstück, das ich gerade spiele, erzählt. Oder vom Krimi, den ich gerade lese oder was mir schon wieder passiert ist. 10 bis 14-Jährige sind sehr kritisch, da musste ich mich richtig anstrengen, um es spannend zu gestalten. Sie waren meine ersten „indirekten Auftraggeber“. Dann begann die Mundpropaganda mit Kindergeburtstagen, Feierlichkeiten für Pensionisten und in vielen Schulen. So begann es. Im Jahre 2002 habe ich mich dann als geprüfte Wanderführerin und Geschichtenerzählerin selbstständig gemacht. Jetzt bin ich mittlerweile ausgebildete Ritualleiterin und Kräuterpädagogin und die Ideen gehen mir nicht aus. Nun bin ich sehr erfolgreich und lebe von meinem Mundwerk, meiner Fantasie und den Ohren der Menschen.

  • Mondschein/Vollmond, Rauhnächte, Eintauchen in Mystik und Brauchtum… Erzählst du uns ein bisschen was über den Ablauf deiner interessanten Sagenwanderungen?

Gerne, meine Wanderungen sind immer in die Landschaft und dem Brauchtum vor Ort und der Naturzeit gelegt. Eigentlich erzählt ja die Landschaft, eingebettet in eine wundervolle Natur. Meine Wanderungen werden von Petroleumlampen, Hirtenstecken begleitet und führen an einen schönen, heimeligen Ort als Zwischenstation. Dort wird gemeinsam mit einem Schnaps auf die Gesundheit getrunken, mit Tee aus heimischen Kräutern der Körper geehrt und gemeinsam das Brot geteilt. Geschichten der Landschaft, der Sagenwelt oder dem zeitlichen Brauchtum hüllen den Raum ein. Nun wandert man weiter zu einem schönen Gasthaus mit zeitlich passendem Essen, Geschichten und Austausch. Doch vorab wird man mit einem Getränk am Feuer empfangen. Vielleicht wandert man mit Petroleumlampen wieder zurück oder nimmt einem Bus/eine Gondel.

  • Du bist mehr oder weniger im ganzen Ländle unterwegs, erzählst an Schulen, bei Betriebsausflügen oder diversen Veranstaltungen. Wo findest du deine Inspiration?

Ich bin zwischen den Auftritten absichtlich alleine im Wald unterwegs oder beim Fitness Training mit anschließender Sauna zum Abschalten. Das ist das eine, ausleeren und dann fülle ich mich mit guter Literatur, ich lese im Durchschnitt 500-1000 Seiten in der Woche: historische Romane, Klassiker oder sprachlich hochwertige Krimis – ich esse eigentlich Worte, befülle meine Seele mit schönen Gedanken. Das inspiriert mich. Zudem habe ich eine unersättliche Energie gepaart mit Fantasie, die mich antreibt, mich immer wieder Neues versuchen lässt. Die Menschen, die mit mir dann unterwegs sind, vollenden meine Ideen, das ist wundervoll.

  • Wie sind so deine Kindheitserinnerungen speziell an die Schulzeit/Ferienzeit in unserem Ländle? Warst du da auch schon viel in der Natur am Erkunden und Entdecken?

Wir hatten eine Pension für 45 Menschen zuhause, meine Mama hat Vollpension gekocht und wir Kinder haben mitgearbeitet. Däta hat bedient, war Tourismuschef, Musikant, Jäger und und und… Zudem hatten wir eine Landwirtschaft mit Kühen und Heuen, eine Alpe, die gepflegt werden musste und sehr innovative, zukunftsweisende Eltern. Ich kann mich an die Schulzeit nicht erinnern und die Ferien waren mit Arbeiten im Elternbetrieb gefüllt. Allerdings haben meine Eltern viel Ausflüge im Ländle gemacht und wir sind zwischen dem Arbeiten noch schnell auf einen Berg gestiegen. Es passt, ich habe viel gelernt. Vor allem die Demut und den Respekt vor der Natur und ein Leben, in dem man viel arbeitet und gleich viel lacht. Schön.

  • Was sollten Eltern ihren Kindern mit auf ihren Weg geben? Was bereichert das Leben unserer Kinder nachhaltig?

Fantasie, Kreativität, Humor und stets wieder aufstehen und Krone aufsetzen. Das barfuß gehen durch den Tau, das Langlaufen in der Nacht, heimlich. Das Überraschen der Nachbarn mit einem Kuchen vor der Tür, das Streiche spielen, selber kochen, über Pfützen springen, das Leben und den Alltag lieben, indem man ihn mit Spaß und Freude füllt, bei einem Fünfer eine Party machen, im Heu schlafen, draußen übernachten und die Sterne zählen – eigentlich Zeit und die eigenen Fehler schenken. Vorbehaltlose Liebe und Mut, sich selbst zu sein.

 

Einfach herrlich, lustig, ehrlich... Wunderschöne Worte von einer so bezaubernden und inspirierenden Persönlichkeit. Vielen Dank liebe Hertha für deine Zeit und weiterhin viel Erfolg und Freude für deine so wertvolle Kunst  😊

Interview geführt von Ivonne Gsenger, Vital Chalet

 

Mehr Infos zu Hertha GLÜCK unter:

http://www.herthaglueck.at

https://www.facebook.com/profile.php?id=100010162156030

https://www.youtube.com/watch?v=GmP5_QPgc4A


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Fotos: Stefanie Schwarzmann, Victoria Rüf, Christian Schramm,

Warth-Schröcken Tourismus, Vorarlberg Tourismus, Bregenzerwald Tourismus

Zwergengrafik: Monika Hehle
Text und Inhalt: Stefanie Schwarzmann, Ivonne Gsenger